Auf den zweiten Blick – Teil 1

Von Maren Kockskämper

Gestern sind wir in Indien angekommen. Am Flughafen wurden wir von der Shalom-Familie mit Blumenkränzen begrüßt und im Auto gab es die ersten Bananen. Senthil, der freundliche Fahrer schaut mich ungläubig an, als ich Anouk den noch originalverpackten Anschnallgurt umlegen möchte. Er beteuert: “I am a good driver.” Das will ich auch nicht in Frage stellen und gebe mich schließlich geschlagen, als ich das Gegenstück nicht aus dem Sitz gezogen bekomme. So unbenutzt ist es noch. Auf der Fahrt kommt mir der Verkehr tatsächlich – auf den zweiten Blick – harmloser vor, als in meiner Erinnerung abgespeichert.

Bei meinem ersten Indienbesuch 2007 war es tatsächlich der Verkehr und das Leben auf der Straße, die mich in ihren Bann zogen. Heute kommt es mir entspannter vor, nicht so chaotisch und staubig, aber vielleicht habe ich mich auch einfach an den Anblick einer 5-Personen-Familie auf einem Roller gewöhnt. Und das geht so: Die Mutter sitzt aufgrund ihres Saris im Damensitz ganz hinten, vor sich klemmt sie mit ihrem Mann zwei Kleinkinder fest. Der Vater wiederum sichert ein größeres Kind zwischen sich und dem Lenker. Keiner trägt einen Helm, versteht sich. Als wir aneinander vorbeifahren winken sie fröhlich, als sie auf den zweiten Blick das kleine blonde Mädchen im Auto entdecken.



Daniel Rempe

Über Daniel Rempe

Daniel arbeitet im Diakonischen Jahr der Evangelischen Kirche von Westfalen. Zusammen mit seiner Frau und seinen zwei Töchtern lebt er in Essen. Bei e/motion engagiert er sich im Message-Team, in wechselnden Projekten und im SONday.
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