Auf den zweiten Blick – Teil 2

Von Maren Kockskämper

Als wir an Tag zwei in das berühmte Krankenhaus CMC fahren fasziniert mich die Geschichte der Gründerin Ida Sudder. Sie wuchs in Indien auf. Ihre Vater arbeitete hier als Arzt und half den Menschen vor Ort. Als eines Nachts jemand im Haus der Familie klingelt, und um Hilfe für seine Frau bittet, die unter einer komplizierten Geburt zu sterben drohte, wird sie, die junge Ida, gebeten zu helfen. Die Kultur verbietet ihrem Vater einer Frau unter der Geburt zu helfen. Ida kann nichts tun, da sie keine Ärztin ist. Die Frau stirbt noch in derselben Nacht. Am nächsten Tag fasst sie den Beschluss in ihrer Heimat, Amerika, Medizin zu studieren und im Anschluss nach Indien zurückzukehren. So tat sie es auch. Sie besucht zunächst mit dem Fahrrad die Menschen in den umlegenden Dörfern von Vellore. Später hat sie das erste Auto in Vellore, beginnt Krankenschwestern auszubilden und gründet das Krankenhaus in Vellore. Aus ihrer Initiative und der schlichten Idee ist heute ein Krankenhaus mit 5000 Betten entstanden, das stetig wächst und immer noch einen Unterschied macht. Um Abtreibungen von Mädchen, die in der indischen Kultur als niedriger und vor allem teurer gelten, zu verhindern, weigert sich das Krankenhaus das Geschlecht vor der Geburt zu ermitteln. Reichere haben luxuriösere Zimmer in einem Privattrakt und zahlen dadurch für die mit, die weniger oder nichts zahlen können. Ich mag diese Krankenhaus, besonders auf den zweiten Blick.



Daniel Rempe

Über Daniel Rempe

Daniel arbeitet im Diakonischen Jahr der Evangelischen Kirche von Westfalen. Zusammen mit seiner Frau und seinen zwei Töchtern lebt er in Essen. Bei e/motion engagiert er sich im Message-Team, in wechselnden Projekten und im SONday.
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