Grüße aus Assisi

Liebe e/motion-Geschwister,

wir fühlen uns im Franziskus-Monat besonders mit euch verbunden, da wir gerade nicht allzu weit von Assisi sind, und auch die Stadt besucht haben. Wir hatten vor, ein Video zu drehen um euch einige „Live-Eindrücke“ aus einer besonderen Stadt zu schicken, dachten aber bald, dass ein Video das eigentlich Besondere nicht wirklich transportieren kann. Fotos wohl auch nicht, aber wir haben trotzdem ein paar untergebracht… Stattdessen versuchen wir es mit einem kleinen Reisebericht, und verbinden sozusagen die Reiselust des letzten Monats mit Franziskus im Juni.

Ganz herzliche Grüße, Andrea, Roland, Lilia und Greta.

An einem wolkenverhangenen Freitag fahren wir los Richtung Assisi. Es sind zwar nur gute 70 km Luftlinie bis dorthin, aber sie ziehen sich kurvig auf und ab durch die grünen adriatinischen und umbrischen Hügel. Bei Sonne vermutlich ein strahlend schöner Weg, bei Regen und Wolken ein bisschen melancholisch. Nach einer letzten Hügelkette können wir dann schon von weitem Assisi an einem Berg liegend sehen, genauer gesagt eine riesige Kirche, die oberhalb eines festungsähnlichen Gebäudes steht. Die Basilika San Francesco und das gleichnamige Kloster wirken irgendwie bombastisch, erschlagend, zu groß für die Stadt und ganz sicher für unsere Bilder vom Leben des Heiligen Franziskus. Scheinbar so etwas vorausahnend soll unser erstes Ziel dann auch nicht Assisi selbst sein.

Entlang großer Busparkplätzen und verschiedenen Anzeichen für Touristenattraktionen fahren wir zunächst an Assisi vorbei den Berg hoch zur franziskanischen Einsiedelei Eremo delle Carceri.

Hierher zog sich Franziskus zum Beten und Meditieren in eine kleine Grotte zurück. Den Touristenströmen ist der Weg hierher vielleicht zu weit, so dass wir nur einigen Pilgern und ein paar Besuchern begegnen. Die kleine Höhle hat etwas von der Abgeschlossenheit einer Gruft, nur durch einen etwas mehr als 1m hohen Durchgang zu betreten. Hier könnte man auch begraben sein, denken wir, und dass Franziskus genau das gesucht haben könnte.

Als Kontrast zur asketischen Höhle verläuft ein Weg von der Einsiedelei durch einen sehr schönen alten Wald, der bei Sonne noch schöner sein muss. An einer Stelle liegt eine Statue von Franziskus vor einer kleinen Felswand. Auf den ersten Blick kann man es für ein umgefallenes Kruzifix halten, aber es ist Franziskus. Er hat die Hände hinter dem Kopf verschränkt, seine Sandalen ausgezogen und schaut durch die Baumkronen in den Himmel. Der Ort hier oben scheint sich etwas von ihm bewahrt haben. Fast möchte man sich dazulegen.

Wir fahren den Berg wieder herunter. Noch immer nicht so richtig bereit für die Stadt selbst, geht es Richtung San Damiano, eine kleine Kirche, die Franziskus wiederaufbaute, wo er seinen Sonnengesang dichtete, und wo Klara den ersten Konvent der Klarissen gründete.

Auch dieser Ort scheint den Bussen zu weit, und wir können in Ruhe die Atmosphäre genießen. Vieles scheint unverändert zu sein und so wie die Einsiedelei etwas von Franz bewahrt zu haben scheint, spiegeln der Kreuzgang, der kleine Garten und die Olivenhaine etwas Vergangenes und zugleich Präsentes, unwirklich und authentisch zugleich.

Greta flirtet noch mit einem franziskanischen Mönch, der bibellesend (wirklich!) durch den Kreuzgang wandelt. Lilia will jetzt endlich ein Eis. Ihr Reisebericht könnte sich etwas anders anhören. Der Satz „Nicht noch eine blöde Kirche“ könnte darin vorkommen ☺. Aber sie würde auch erzählen über Franz, der mit Tieren spricht, und Sonne und Mond Schwester und Bruder nennt, und begeistert von Schafen mit einer Glocke, die neben einer Kirche grasen („Wir haben doch auch eine Wiese neben unserer Kirche …“). Und so sind wir bereit, uns den Touristen anzuschließen, die durch Assisi rollen.

Wir parken im Norden und gehen Richtung der Basilika San Francesco, die ganz im Süden liegt, durch die Stadt. Vorbei an der Basilika Santa Chiara, in der die Heilige Klara begraben liegt, und unzähligen weiteren Kirchen und Kapellen. Assisi hat etwas von einer Ausstellung von Kirchenarchitektur. Die Stadt selbst ist zwar voll, aber auch sehr schön. Sie wirkt nicht authentisch wie Einsiedelei und San Damiano, aber nach den Businvasionen hatten wir eher einen Freizeitpark erwartet. Dem ist nicht so, und so wandern wir durch die Straßen und genießen auch hier die Atmosphäre, natürlich mit einem Eis.

Und auch die Kirche San Francesco schließlich wirkt von oben nicht so gigantisch wie von unten. Dennoch passt sie offenkundig nicht zur Armut und Demut eines Franziskus‘, der hier auch nie begraben werden wollte, sondern in der kleinen Kapelle Portiuncula ausserhalb der Stadt, in der er auch starb. Der Papst hatte andere Pläne, begrub ihn in Assisi, und erbaute die Basilika über dem Grab.

Einer eigenartigen Logik folgend erbaute dann ein anderer Papst eine weitere Basilika über der Kapelle Portiuncula. Ein kleine schlichte, fast verwitterte Kapelle mitten in der pompösen Basilika Santa Maria degli Angeli. Irgendwie beeindruckend, aber vor allem verwirrend gegensätzlich und widersprüchlich.

Wir machen uns auf den Rückweg und reden über Franz und Klara, Päpste und ihre Basiliken, die Einsiedelei und San Damiano. Und über den Franziskus-Monat bei e/motion.



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