Soundscapes zu Newsletter #666

Sebastians Soundscapes

Aphrodites childAphrodite´s Child – 666

Wie lange wartet man auf diesen Tag? sechshundersechsundsechzig Wochen… so lange gibt es schon diesen Newsletter. Und wo, wenn nicht in der schillernden frankfurterskylinemäßigen Newsletterzentrale habe ich meine schönsten und besten Zeiten verbracht. Damals, als alles anfing mit dem Ding, was manche und mancher gerne „d a s Kommunikationstool überhaupt“ nannten und doch fast schon ein wenig nostalgisch wirkt, im Vergleich zu „d e n aktuellsten Kommunikationstools überhaupt“. Und schon klinge ich ein wenig altbackend, wie damals beim ersten Newsletter, diejenigen, welche gerne Jeansjacken getragen haben bzw. es immer noch tun und für die auch 1 Euro immer noch 2 Mark und die europäische Währung Euronen, anstatt Euro heißen… ach, was rege ich mich auf. Viel lieber möchte ich die Gunst der Stunde nutzen und passend zur heutigen Ausgabennummer das berühmte, unbekannte Album von Aphrodites Child (nicht Destiny´s Child!) vorstellen: 666.

Thematisch spielt das Album von 1972 mit den Texten der Offenbarung des Johannes. Der griechische Autor und Filmemacher Costas Ferris hat hierzu die Texte der Bibel in eine fiktive Rahmenhandlung eingebaut. Die psychedelische Musik von Aphrodite Child fügt den Text zu Liedern und diese zu einem Gesamtwerk zusammen. Es ist der kreative Höhepunkt der griechischen Band im Pariser Studioexil. Besonders 2 Mitglieder sind danach auf Solopfaden weltbekannt geworden. Der Sänger und Bassist Demis Roussos – in Deutschland ein gefeierter Schlagerstar – und Keyboarder und Komponist Vangelis Papathananssiou – besser bekannt als Vangelis, d e r Vangelis, der neben Chariots of Fire und Columbus Musik, ganz tolle Alben gebastelt hat.

In der einschlägigen Literatur wird 666 als Konzeptalbum betitelt. Hierzu bietet die Musikgeschichte auch nur wenige weitere gute Beispiele. Das Wort Konzeptalbum hat wieder so etwas jeansjackiges…aber das ist nur so ein Gefühl und so…

Das tolle an dem Album ist nicht unbedingt das Konzept oder bzw. das konzeptalbige (zum Glück klingt es nicht nach Musical;  Konzeptalben haben leider manchmal den Hang dazu…), sondern es nutzt eine Sprache, die wir erst mit den HipHop Alben der 90er/2000er massentauglich entdeckt haben: das Mixtape. Für mich bedeutet das ein Sammelsurium unterschiedlicher Stile und musikalischer Spielarten verbunden mit kurzen Zwischenspielen, bestehend aus Stimmen, Klängen und Rhythmen; als ob jemand zwischen verschiedenen Platten springt und den Crossfader tanzen lässt. Vangelis zeigt hier sein technisches Können und musikalisches Gespür gepaart mit einer Prise Humor und dem Ehrgeiz die Technik auszureizen. Es lässt sich hier schon erahne, was er später in seinen Soloalben perfektioniert hat; man denke hierbei nur an das sensationelle Album von 1980, See you later.

Nicht unerwähnt bleiben sollen natürlich das schmissige Lied the four horsemen und mein absolutes Lieblingslied auf dem Album Aegian See. Die vier Reiter turnen in herrlichem Englisch mit griechischem Akzent und Gesang durch die Weltgeschichte, während in Aegian See zu lässigem Groove und einem so herrlichen Gitarrensolo die Texte aus der Offenbarung rezitiert werden, so dass man als Hörer am Ende selber auf einem Pferd dem Sonnenaufgang entgegenriefet…they´ll no more suffer from hunger…

Am Ende hilft ja alles nix; man muss es einfach mal anhören… Wer sollte denn das Album überhaupt hören? Menschen, die an Musik der 70er interessiert sind. Kulturphilosophische Theologinnen und Theologen. Besucherinnen und Besucher des e/motion Gottesdienstes, wenn es den Offenbarungsmonat gibt und der Teil mit den Verlosungen kommt…

Ich könnte (und müsste wahrscheinlich) noch mehr schreiben und reden und tun, aber jetzt ist Schluss für heute!

Shine On! Sebastian



Jan

Über Jan

Jan lebt mit seiner Familie in einer WG in der Südstadt, fühlt sich seit 2005 pudelwohl bei e/motion - und zuhause in Essen.
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